Es rumort wieder mal in der Gastro-Szene: Jetzt soll mit dem Oberwirt in St. Magdalena der nächste (und größte) Betrieb aus dem einstigen Kaufmann-Gastro-Imperium vor dem Aus stehen. Die Immobilie gehört bekanntlich der Stadt Linz und wurde im April 2023 an Philipp Kaufmann verpachtet, der in Linz insgesamt zehn Gastronomiebetriebe eröffnen wollte. Die hochtrabenden Pläne kamen aber schon bald ins Wanken.
Im April 2023 sprach Philipp Kaufmann noch davon, den zuvor nach mehreren Pächterwechseln schon drei Jahre durchgehend geschlossenen Oberwirt zu einem „gastronomischen Sehnsuchtsort“ machen zu wollen. Das Interieur ließ er mit viel Geld zu einem eher seltsamen Design-Mischmach umgestalten, Probleme mit dem Personal gab es laut Gästen von Anbeginn weg. Oft war das Lokal, das anfangs nur von Freitag bis Sonntag offen hatte, spontan und ohne jede Ankündigung auch an regulären Öffnungstagen geschlossen. Zuletzt sollen auch die Gäste ausgeblieben sein.

Von der Kaufmann-Gruppe gab es bislang noch keine offiziellen Statements, der nicht mehr erreichbare Pressesprecher dürfte nicht mehr im Unternehmen weilen und auch im Lokal selbst läuft seit Tagen nur ein Tonband. Offiziell ist man laut Aushang auf „Betriebsurlaub“, wie lange dieser dauern wird, weiß keiner, weil jede Angabe fehlt. Auskunft gibt ein Mitglied eines Vereins aus St. Magdalena, der dem Lokal lange Zeit als Stammgäste die Treue hielt: „Der wird nicht mehr aufsperren. Anscheinend gibt es auch offene Rechnungen, die seit längeren nicht bezahlt wurden.“
Für die Stadt entwickelt sich die Situation rund um den traditionsreichen Oberwirt mittlerweile zum Desaster: Seit der Übernahme durch die Stadt Linz 1999 blieb das Lokal stets ein Sorgenkind.
Rückblick: Im Jänner 1999 erwarb die Stadt Linz den Oberwirt in St. Magdalena vulgo das ehemalige Traditionsgasthaus Reichl um 7,5 Mio. Schilling. Ein glückliches Händchen bewies die Stadt danach bei der Verpachtung des Lokals nicht: Seit dieser Zeit gab es bereits vier Pächter, der vorletzte Wirt hielt gerade mal eineinhalb Jahre durch und schloss das Kapitel Oberwirt Ende 2020.

Drei Jahre lang wurde danach wieder ein Gastronom gesucht, der den Oberwirt mit einer Gesamtnutzfläche von knapp 800 Quadratmetern und bis zu 320 Sitzplätzen übernehmen soll. Es gab zwar immer wieder Interessenten, die aber vornehmlich “orientalische” oder internationale Speisen anbieten wollten, seitens der Stadt bevorzugte man aber heimische Küche, wie es der Tradition des Standortes entspricht. Dann kam Philipp Kaufmann ins Spiel.
Der damalige Stadtrat und Liegenschaftsreferent Dietmar Prammer sagte bei der Wiedereröffnung im April 2023: „Dieser Ort wird nicht nur ein gemütlicher Treffpunkt für alle Altersgruppen sein, sondern auch eine bedeutende Rolle im Vereinsleben und als Veranstaltungsort erfüllen. Ich bin zuversichtlich, dass der neue Oberwirt wieder zu einem lebendigen Zentrum von St. Magdalena wird.“
Jetzt dürfte – nach nur zwei Jahren – wieder das Aus bevorstehen – und die neuerliche Suche nach einem potenten Pächter beginnen. Zuletzt wollte die Stadt von möglichen Interessenten für diesen großen und bestens ausgestatteten Betrieb eine Pacht von lediglich 2.258 Euro – aber selbst das lockte kaum jemanden an.
Seit Herbst 2024 scheint nicht mehr Philipp Kaufmann, sondern Manuel Wellmann und Christian Meixner als Gesellschafter der „Oberwirt GmbH & Co KG“ auf, die allerdings die gleiche Firmenadresse wie Kaufmanns KaBB-Gruppe aufweist. Meixner scheint zudem in mehreren anderen GmbHs, die Philipp Kaufmann zugerechnet werden, ebenfalls als Gesellschafter auf – etwa in der „NWD GmbH“, der „Yellow Zebra Prime GmbH“ oder der „speakeasy GmbH“, während Herr Wellmann bei insgesamt sechs Kaufmann-nahen GmbHs als Geschäftsführer (und in ebensovielen als Gesellschafter) fungiert.
Kommentar
Ob das noch was wird mit dem Oberwirt? Mittlerweile ist der Standort durch die vielen Pächterwechsel auch imagemäßig relativ ramponiert. Vielleicht sollte die Stadt Linz das Thema Wirtshaus an diesem Standort auch einfach abhaken. Was eher kommen wird: Vielleicht kann sich auch St. Magdalena bald über ein Asia-Lokal oder eine weitere Surace-Pizzeria freuen.