Gegraben wird aufgrund der Bautätigkeit in Linz an vielen Ecken der Stadt. Es wird aber auch aus-gegraben – kein Wunder, bei der bewegten Stadtgeschichte. Dass aber gleich eine komplette Brücke unter der Erde verschwunden war, erlebt man auch in Linz nicht alle Tage. So geschehen im Jahr 2007.
Die Geschichte des Landhauses reicht bis Jahr 1563 zurück. Am südlichen Ausgang, hinaus zur damaligen Linzer Vorstadt, befand sich einst ein mächtiger Wassergraben, der das burgartige Landhaus vor ungebetenen Gästen aller Art schützte (heute übernimmt diese undankbare Aufgabe ein Securitydienst samt Röntgentunnel).
Über den Wassergraben führte erst eine einfache Holzbrücke, ab 1632 eine Steinbrücke, die 1769 durch eine breitere und mondänere ersetzt wurde. Der 15 Meter lange und sechs Meter breite Übergang mit drei Bögen war optisch sehr ansprechend mit weißem Kalkmörtel verputzt – fast schon ein Hauch von Toskana!

Lange hielt der Glanz der Brücke allerdings nicht: Nur 31 Jahre später – 1800 – wurden beträchtliche Teile der Stadt durch einen Brand vernichtet, der im Südflügel des Linzer Schlosses seinen Ausgang nahm. Zerstört wurde die westliche Altstadt, große Teile des Landhauses mitsamt dem Landhausturm (dessen Kuppel unter großem Getöse in den Innenhof stürzte) und der Bibliothek. In Summe wurden auch 58 Bürgerhäuser ein Raub der Flammen.

Im Zuge der Aufräumarbeiten riss man auch die Linzer Stadtmauer, die entlang der Promenade verlief, ab (drei Jahrzehnte später baute man dafür die Maximilianische Turmlinie rund um die Stadt) . Mit dem Abbruchmaterial wurde der Wassergaben rund ums Landhaus zugeschüttet – und mit ihm auch die Steinbrücke, die die folgenden, mehr als zwei Jahrhunderte unterirdisch überdauerte, ehe man sie im Jahr 2007 im Rahmen des Baus der Promenaden-Tiefgarage wiederentdeckte und freilegte. Neben der Brücke fand man auch einen Tiefbrunnen und den ersten Linzer Abwassertunnel, den „Franzosenkanal“ von 1809, noch ältere Wehrturmmauern und ein in Stein gefasstes Maibaum-Fundament.
INFO: DIE UNTERIRDISCHE STEINBRÜCKE BEIM LANDHAUS
Am besten besichtigen (kostenlos) lässt sich die Brücke über dem Abgang vor dem südlichen Landhausportal. Im parallel angelegten Gang im Untergeschoß finden sich mehrere Infotafeln, Bilder und Pläne. Adresse: Landhausplatz 1.