Nach Vögeln widmet sich die bereits 6. Auflage des Höhenrausches (21. Mai bis 16. Oktober 2016) den Engeln. Als sichtbares Zeichen der Ausstellung feiert die NIKE aus dem Jahr 1977 ein Comeback. Die vor knapp 40 Jahren von vielen als „potthässlich“ abqualifizerte Aluminium-Skulptur ohne Kopf wird fünf Monate lang über der Linzer Landstraße schweben. Proteste sind da wohl vorprogrammiert.
Nein, eine Schönheit war das kopflose (manche lästerten auch „hirnlose“), knapp zehn Mieter hoche Blechding nicht, das damals über dem heutigen Gebäude der Kunstuni am Hauptplatz schwebte. Linz war mehrheitlich heilfroh, als die Skulptur 1997 abmontiert und im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt „entsorgt“ wurde.
Für den Höhenrausch 2016 kehrt die NIKE jetzt als Leihgabe nach Linz zurück. Der 15m lange Kragarm der Aluminium-Plastik wird im Glockenturm der Ursulinenkirche montiert. So schwebt die Nike weithin sichtbar über der Landstraße – als kopflose, geflügelte Nachbildung der Nike von Samothrake erzählt sie über die heidnischen Vorbilder der biblischen Engel, woher sie kamen und wie sie sich verwandelt haben. Der „Fetzenvogel“, wie sie damals genannt wurde, dient nicht nnur als nostalgisches Erinnerungsstück, sondern soll vor allem als Blickfang für die 6. Höhenrausch-Auflage dienen.

Seit 6 Jahren ein Publikumshit
Das Publikumsinteresse beim Höhenrausch war auch im Vorjahr ungebrochen: 2015 lag der Besucherschnitt bei 1.000 pro Tag, die gebuchten Führungen lagen 2015 bei mehr als 1.200 Gruppen – das entspricht etwa 9 Führungen pro Tag. Das heurige Kernthema Engel“ widet sich jenen „Zwischenwesen“, die keiner Welt wirklich angehören, weder der Welt der Geister und Götter, noch der Welt der lebenden Menschen. Je nach Kulturkreis werden sie mit unterschiedlichen Bedeutungen aufgeladen – sie treten als Schützende ebenso auf wie als Wachposten und Soldaten, kosmische Handwerker und Beamte des Himmels, als Reisebegleiter und Boten. Sie sind freundlich und segenbringend, können aber, zum Beispiel als gefallene Engel, auch böse sein.
Höhenrausch 2016 – die Inhalte
Die Ausstellung führt zunächst durch eine Versammlung von Alltagsengeln – so wirr und kaleidoskopisch arrangiert, wie sie uns im Hier und Jetzt tagtäglich begegnen: als putzige Himmelsbewohner in der Autowerbung, als adrette Gartenfiguren oder in esoterischen Zeitschriften und Announcen. Nach diesem Realitätsschub macht ein ausgeklügelter Rundweg den Kopf frei für neue und ganz andere Engelbilder: Das noch vertraute und doch schon überraschende Thema der biblischen Engel wird ausführlich in der Ursulinenkirche behandelt, die sich wie ein Gelenk zu Beginn und am Ende im Ausstellungsparcours verankert.
Im Uhof-Dachboden und im Großen Saal des OK installieren Mary Sibande (SA) und Heri Dono (ID) verblüffend andere, fremde Engel. Auf dem Kunstparcours durchs Haus zeigen sich Doppelgänger und Zwillinge als andere Aspekte der Engelthematik. In der Wunderkammer im OK sind die werktätigen Engel zu Gast und auf dem Dach verwandelt Eva Schlegel (AT) den voestalpine open space in einen Spiegelraum. Auf dem Parkdeck der Raiffeisen Kunst Garage wächst ein botanischer Engelgarten, auf dem Passage-Dach wird das Unfassbare der Engel über Schwingungen vermittelt: u.a. mit einer Stahl-Harfe von Josef Baier (AT) und Klangobjekten von der Studierenden der Bruckneruniversität. Elektroakustische Miniaturen zeitgenössischer Komponisten verwandeln den Keine Sorgen Turm in eine vokale Himmelsstiege.