In den naturbelassenen Wäldern nordöstlich von Sandl im oberen Mühlviertel hätte mit 22 Windrädern ein Mega-Windpark entstehen sollen – doch daraus wird verkürzt zusammengefasst aus Naturschutzgründen nix. Zudem fordern die Grünen mindestens 100 neue Windräder für Oberösterreich bis 2030. Weil auch Oberösterreich die Last von neuen Windrädern tragen müsse und man Bundesländer wie Niederösterreich nicht alleine lassen dürfe mit dem Windkraftausbau. Falsch: Oberösterreich hat für den Ausbau erneuerbarer Energien bereits mehr als genug gegeben. In den letzten 50-60 Jahren hat unsere Bundesland die bedeutendsten Flusslandschaften an Donau und Traun mit Wasserkraftwerken zugepflastert und somit bereits einen enormen Beitrag geleistet. Jetzt sind erst mal andere am Zug.
Die oberösterreichische Wasserkraft erzeugt im langjährigen Durchschnitt rund 10.200 GWh elektrische Energie, das sind etwa 70 % des oberösterreichischen Stromverbrauchs. 88 % davon erzeugt die Großwasserkraft an Donau, Inn, Enns und Traun, rund 12 % kommen von den rund 820 Kleinwasserkraftwerke in OÖ. Unser Bundesland liegt damit klar auf Platz 1 unter allen Bundesländern.

Es gibt aber auch eine Kehrseite: Jochenstein, Aschach, Ottensheim, Asten und Wallsee an der Grenze zu NÖ – die oberösterreichische Donau gleicht wegen der Kraftwerksbauten auf weiten Strecken einem aufgestauten Kanal, eingerahmt von Dammbauten und ökologisch abgeschnitten vom Umland. Die wertvollen, endlos weiten Auenlandschaften oberhalb von Ottensheim oder südöstlich von Linz bis hinunter nach Enns sind weitgehend trockengelegt worden, die Schotterinseln und sanften Uferbereiche sind weggestaut. Der Inn? In seinem Unterlauf ein durchgehender Stausee.
Noch trostloser präsentiert sich die Traun zwischen Linz und Wels, freie Fließstrecken oder gar Seitenarme gibt es so gut wie keine mehr. Der Raubbau an unserer Natur war notwendig und leider auch richtig, denn nach dem Nein zu Zwentendorf 1978 brauchte es neben dem Bau mehrerer Kohlekraftwerke zusätzliche Alternativen. Zeigt: Unser Bundesland hat in Sachen erneuerbarer Energien Enormes geleistet – lange bevor der grüne Hype mit den Windrädern begann. Oberösterreich kann sich jetzt mit Fug und Recht zurücklehnen und beim Bau von Windkraftanlagen in der (immer weiter zurückgedrängten) Natur passen.
Mehr als in unserem Bundesland für den Bau erneuerbarer Energiequellen an Natur bereits kaputtgemacht und „transformiert“ wurde, geht fast nicht.
Ganz abgesehen davon: Windkraft wird unser Stromproblem sowieso nicht lösen. Alleine die voestalpine wüird für die Umstellung auf die Produktion von „grünem“ Stahl 1.400 zusätzliche Windräder benötigen (aktuell gibt es in ganz OÖ 31 Stück dieser Anlagen) – und da reden wir noch gar nicht vom zusätzliches Strombedarf fürs Heizen und für die E-Mobilität. Man stelle sich das Bundesland OÖ mit 1.400 zusätzlichen Windkraftanlagen vor: Bei einem vorgeschriebenen Mindestabstand von 1.000 Metern zu Wohngebäuden und dem Platzbedarf eines Windrades samt Einzugsgebiet von 5-10 Hektar wäre der Eingriff in die unverbaute Natur enorm.
Ein Donaukraftwerk alleine kann im Schnitt etwa 300.000 Haushalte mit Strom versorgen – die größte Windkraftanlage OÖs im Sternwald (9 Windräder) schafft gerade mal 11.500 Haushalte. Unter dem Strich ist es völlig illusorisch, Windkraft als die Lösung zu sehen und damit gleichzeitig unsere Naturlandschaften auf immer und ewig zu zerstören. Und ja: Irgendwann wird man auch in Österreich über Kernkraft nachdenken müssen – so wie es immer mehr Länder richtigerweise tun. 440 Atomreaktoren laufen aktuell weltweit – Unfälle gab und gibt es so gut wie keine – selbst im ständig bemühten Vorfall von Fukushima gab es keine kolletaleralen, großflächigen Schäden und lediglich einen offiziellen Strahlungstoten.
Moderne Kleinreaktoren von heute haben nichts mit dem Schrottreaktor von Tschernobyl zu tun. Mit dem gleichen Angst-Argument könnte man auch sagen: „Ich steige in kein Flugzeug mehr, weil die JU-52 in den 1930er-Jahren so oft abgestürzt ist.“
30×30 Meter breite und etwa 5 Meter tiefe Betonfundamente müssen für jede Windkraftanlage in den Boden mitten im Wald gegossen werden (ja, auch das ist Bodenversiegelung), dazu müssen 30 Meter breite Zufahrts- und Versorgungsstraßen durch die Wälder geschlagen werden, um die in Summe bis zu 272 Meter hohen Propeller aufstellen und warten zu können.
Am Beispiel des „Windparks Sternwald“ westlich des Sternsteins sieht man, welche enormen Eingriffe für den Bau solcher Anlagen nötig sind. Von einem unberührten Wald ist dort keine Spur mehr zu sehen – darüber täuschen auch schöne Luftbilder von Windrädern mitten im Grünen nicht hinweg. Grün ist es dort noch, der echte Wald ist aber für immer verloren, auch das gehört zur Wahrheit über den „grünen“ Strom dazu.
Warum müssen eigentlich alle Projekte, die der Gewinnung erneuerbarer Energien dienen oder die die sanfte Mobilität forcieren und eigentlich dem Erhalt der Natur dienen sollen, zulasten der Natur gehen?
Jetzt hätten im unberührten und einem der letzten großen zusammenhängenden Waldgebiete im Mühlviertel die nächste XL-Windkraftanlage entstehen sollen – mit genau denselben Begleiterscheinungen. 22 Windräder mit 272 Meter Höhe sind bzw. waren geplant – inklusive Zufahrtsstraßen, auf denen nicht nur die XL-Kräne zur Errichtung, sondern auch die über 60 Meter langen Rotorblätter – das entspricht vier Reisebussen hintereinander – hinauftransportiert werden müssen. Deren Haltbarkeit ist zudem begrenzt – aufgrund der enormen Belastung beträgt die Lebensdauer lediglich 20 Jahre – was wiederum bedeutet, dass die breiten Zufahrtssschneisen nicht zuwachsen dürfen, sondern erhalten werden müssen.
Was nicht zu verstehen ist: Warum müssen eigentlich alle Projekte, die der Gewinnung erneuerbarer Energien dienen oder den Ausbau der sanften Mobilität forcieren und eigentlich dem Erhalt der Natur dienen sollen, zulasten der Natur gehen – wie die Wasserkraft, die Windenergie oder der Bau der neuen Linzer Stadtbahn, für deren Trassenführung etwa das Naherholungsgebiet an der Donau geopfert werden soll? Es gibt keine „gute“ Umweltzerstörung – nicht für Windräder und auch nicht für S-Bahnen. Perverserweise redet die EU (und auch Österreich) von großflächigen „Renaturierungsmaßnahmen“, während gleichzeitig echte Wälder in stählerne „Windparks“ verwandelt werden.
Wenn schon: Baut Windkraftwerke dort, wo sie am wenigsten wehtun (etwa zwischen den Äckern Niederösterreichs, dort machen sie Sinn). Auch nachfolgende Generationen brauchen intakte Täler, Flüsse und Naturlandschaften und keine „Windkraftwälder“. Unter dem Strich kommt es nämlich garantiert am teuersten, wenn wir in einem grünen Blindflug und wo es nur geht, unsere Natur opfern und dann glauben, damit unsere Natur zu retten…