Weiter im Sinkflug ist die Zahl der Aktivpassbesitzer in Linz – zum Jahreswechsel waren es aber immer noch fast 26.000 Linzer, die den Sozialpass ausgestellt bekommen haben – das sind etwa 25 Prozent aller Linzer zwischen 15 und 60 Jahren. Immer wieder in der Kritik ist dabei die soziale Treffsicherheit, denn den Aktivpass bekommt jeder, der nicht mehr als 1.601.- netto pro Monat verdient – unabhängig vom Haushaltseinkommen oder Vermögen: Sogar eine Millionärin ohne aktuelles Einkommen oder ein teilzeitbeschäftigter Mann, dessen Gattin ein fünfstelliges Vorstandsgehalt bezieht, könnte den Pass problemlos beantragen. Zusätzlich wird der Aktivpass stark von ausländischen Mitbürgern genutzt: Der Ausländer-Anteil beträgt 48,6 Prozent. Beinhaltet sind Ermäßigungen für die LINZ Linien (das Monatsticket kostet nur 16,70 Euro statt regulär 60,50).
Seit mittlerweile 36 Jahren bietet die Stadt Linz mit dem Aktivpass einkommensschwachen Linzern eine wichtige Unterstützung für den oft kostenaufwändigen Alltag an. Mit der Vorteilskarte, die jede volljährige Person mit Hauptwohnsitz in Linz — unter bestimmten Voraussetzungen — beantragen kann, erhalten viele Menschen wieder Zugang zu Leistungen und Angeboten, die sie anders nicht finanzieren könnten.
Die Bandbreite der Vorteile reicht von vergünstigten Eintritten in die städtischen Museen über Ermäßigungen für Hallenbad, Freibad und Eishalle bis hin zu besonderen Tarifen in den Stadtbibliotheken. Auch die Möglichkeit, das öffentliche Verkehrsnetz der Linz AG Linien, um aktuell 16,70 Euro pro Monat zu nutzen, findet großen Anklang.

Die monatliche Einkommensgrenze für den Bezug des Aktivpasses wird jährlich angepasst. Im vergangenen Jahr hatten alle Linzer*innen, die weniger als 1.547 Euro netto im Monat verdienten, Anspruch auf die städtische Vorteilskarte. Im laufenden Jahr liegt der Richtsatz bei 1.601 Euro Nettoeinkommen pro Person und Monat. Kritiker werfen ein, dass auch Betuchte – etwa Frauen oder Studenten aus wohlhabenden Familien – einen Aktivpass ohne echtes Hinterfragen der Bedürftigkeit nutzen können. Jedes Familienmitglied kann – unabhängig vom Verdienst des Gatten oder des Haushaltseinkommes – diese eigentlich für Geringverdiener gedachte Einrichtung nutzen. Fakt ist: Aktuell ist eine Generaldirektorsgattin ebenso Aktivpass-berechtigt wie ein millionenschwerer Privatier…
Unter den Aktivpassbesitzern befinden sich aktuell 40.82 Personen (oder 15,7%) Arbeitslose bzw. Notstandshilfeempfänger, 5.377 Pensionisten und 2.962 ohne jegliches Einkommen – speziell diese Gruppe scheint hinterfragenswürdig, da viele von diesen in Bedahrfsgemeinschaften leben und die Vermutung naheliegt, dass keine Bedürftigkeit im klassischen Sinn gegeben ist. Die Gruppe der Asylwerber mit Aktivpass ist 1.160 Personen groß, zudem gibt es 1.858 Studenten mit Aktivpass. Kurios: Auch 159 Unternehmer mit niedrigem Umsatz sind Aktivpassbesitzer.
Unter den Kritikern ist die Linzer FPÖ: Die Freiheitlichen treten seit Jahren für mehr Treffsicherheit hinsichtlich der Voraussetzung für den Aktivpass ein. Stadtrat Michael Raml fordert angesichts der aktuellen Zahlen erneut Deutschkenntnisse auf A2-Niveau und einen 5-jährigen rechtmäßigen Aufenthalt in Linz als Voraussetzungen für den Erhalt dieser städtischen Sozialleistung.