Nach fast 70 Jahren ist das Monopol der UEFA über den europäischen Fußball gefallen. „A22“ nennt sich eine Projektgruppe für eine neue europaweite Super League im Fußball, an der insgesamt 64 Teams teilnehmen sollen. Die Protagonisten dieser Idee haben sich vor Gericht durchgesetzt und können ihr Projekt nun weiter verfolgen. Wir haben die Details.
Die Idee besteht aus einer Ligaphase und einer KO-Phase. An der Super League der Männer nehmen 64 Teams teil, die in drei Ligen unterteilt sind: STAR, GOLD und BLUE. Die ersten beiden Ligen bestehen aus 16 Klubs, die in zwei Gruppen zu je acht Teams bestehen. Die BLUE-League besteht aus 32 Klubs, die in vier 8er-Gruppen eingeteilt werden. Jeder Klub spielt in der Ligaphase (September-April) in 14 Spielen daheim und auswärts je einmal gegeneinander. Die vier Besten jeder Gruppe steigen in die K.O.-Phase auf, in der BLUE League steigen jeweils nur die zwei Besten auf.
Innerhalb der drei Ligen gibt es Auf- und Absteiger. Auch für frischen Wind ist gesorgt: In der BLUE League werden am Saisonende 20 der 32 Klubs ersetzt – durch Teilnehmer, die sich in den nationalen Ligen dafür qualifizieren. Auch im Frauenfußball soll es ein ähnliches Modell geben – allerdings nur mit 32 Teams.
Als neue Streaming-Plattform wird „Unify“ geschaffen. Sie wird alle Spiele der European Super League kostenlos übertragen und so allen Fans den freien Zugang zu Fußball ermöglichen. „Fußball ist ein Volkssport. Doch das derzeitige Zuschauererlebnis mit mehreren TV-Abonnements ist teuer und unattraktiv. Wir wollen die Fans an erste Stelle setzen, indem wir kostenlosen Zugang zu allen Spielen und ein unvergleichliches, neuartiges Erlebnis bieten“, sagt Bernd Reichart, CEO von A22 Sports Management.
-> HIER geht’s zum Video über die neue Super League.
Kommentar
„Noch ein Klubbewerb auf europäischer Basis? Bitte nicht!“ – die Sorge mancher Fans ist durchaus berechtigt. Kommt diese dreistufige Superliga, bedeutet das wohl das Ende für den klassischen UEFA-Europacup, denn es ist undenkbar, dass beide Formate nebeneinander existieren. Wie sollten so viele Spiele in den bereits übervollen Terminplan reingepackt werden können? Was aber durchaus reizvoll ist: der Gedanke, den Klubfußball auf europäischer Ebene zu reformieren und etwas ganz Neues aufzusetzen. Die Einführung der „Conference League“ im vorletzten Jahr war jedenfalls nicht das Gelbe vom Ei.
Man darf gespannt sein, was und wer sich am Ende durchsetzt. Und dass sich früher oder später mal etwas abseits der (mit unzähligen Korruptionsvorwürfen bedachten) UEFA entwicklen würde, war ohnehin nur eine Frage der Zeit. Fix ist: Konkurrenz belebt das Geschäft. Und da sich der Fußball schon seit geraumer dem Geld und dem mehr, mehr, mehr ausgeliefert hat, ist jeder Gedanke an „die guten alten Zeiten“ oder an einen Meistercup, in dem tatsächlich nur Meister spielten, verloren und sinnlos.